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What I saw – London in colors

Wenn ich durch eine neue Stadt gehe, dann sehe ich nicht nur Häuser, Geschäfte und Menschen – Ich sehe hauptsächlich Fragmente, Farben, Muster, Strukturen.
Wenn ich mich in einer inspirierenden Umgebung befinde, habe ich das Gefühl als ob jemand in meinem Kopf einen Schalter auf „on“ stellt. Alle kleinsten Veränderungen der Umgebung strömen auf mich ein und sammeln sich in mir wie in einem Trichter.
Ich sehe zwar ein ganzes Gebäude, aber wirklich interessiert mich der abgeplatzte Farbfleck am Fensterrahmen, der Aufkleber im Fenster oder auch die Türklinke aus geschwungenem Metall. Am Mantel der vorbeilaufenden Passantin prägt sich mir der Verlauf der Kragensteppnaht ein. Die Person die an der Bushaltestelle neben uns wartet trägt eine Jeans mit einer besonders auffallenden Waschung. Die Geräusche der Stadt sind anders als die, die ich aus Hamburg kenne. Die Räder der Autos auf dem Straßen klingen dumpfer, die U-Bahn riecht anders. So müssen sich wohl auch kleine Kinder fühlen wenn sie an der Hand der Mutter spazieren gehen und bei jedem Kieselstein, der sich ihnen in den Weg legt anhalten wollen um ihn aufzusammeln.

Stück für Stück setzt sich all dies zu einer Stimmung, einem Gefühl in mir zusammen und bildet die Nahrung oder auch Treibstoff meiner kreativen Arbeit. Alles was einmal was sich einmal in Eindrücken bei mir gesammelt hat, kommt irgendwann in Form von kreativem Output wieder heraus, sei es eine Illustration, ein Kleidungsstück oder auch eine ganze Kollektion.

Moodboard_London_1502272

Ein Designer stellt am Anfang einer jeden Arbeit ein Moodboard zusammen. Darunter kann man sich eine Art Pinnwand vorstellen, in dem er die Eindrücke und Ideen, Stimmungswelten und Farbwelten festhält. Zum Teil für sich selbst, als ein Arbeitsdokument auf das er oder sie sich immer wieder beziehen kann. Aber auch zur Visualisierung seiner Ideenwelt für Kunden und Mitarbeiter.

Ich habe einige meiner Londoneindrücke in diesen drei Moodboards zusammengefasst um euch zu zeigen, wie ich arbeite.

Farben die eine besondere Stimmung hervorrufen sprechen mich an. Farben, die sich reiben oder sich gegenseitig unterstreichen, die sich verstärken oder eliminieren. Stimmungen und feine Gefühlsnuancen spielen in meinen Kollektionen immer eine große Rolle. Meist führt die Auseinandersetzung mit einem ganz bestimmten Gefühl zu einem Thema und schließlich zu einem Designansatz für eine neue Kollektion.
Moodboard_London_150227

Die Bilder der einzelnen Moodboards bilden zusammengenommen eine solche Stummung, sie stehen aber auch alle für sich allein. Ein jedes Detail hat mich auf seine Weise angesprochen (Reihenfolge von links nach rechts) :
1.Bild: Das Schattenspiel zwischen Linie und Nahtverlauf bilden ein Muster das ich sehr interessant fand.

2.Bild: Die Stimmung dieser Ladeninstalation, genaugenommen der Widerschein der Neonreklame in den auf dem Regal stehenden Glas-Aparaturen weckt in mir Bilder eines 50er Jahre-Filmes: Nachts, Burgerrestaurant, DriveIn, Weißer Cadillac, Cola, Rollschuhe.

3. Bild: Vor diesem Bild mit Namen: „A Bigger Splash“ von David Hockney habe ich bestimmt eine ½ Stunde gestanden und versucht die Farbstimmung zu verstehen, die aus von ihm ausgeht. Es ist, als ob die Farben dieses Bildes einen berühren würden, als ob sie vibrieren. Sie sind ruhig und scheinen sehr zart, sind aber bei genauerem hinsehen sehr stark und definiert.

4.Bild: Diese Tür, eines kleinen Tai-Restaurants in der Columbia Road in ihrem wunderschönen Türkies hat mich ihrerseits zum stehenbleiben gezwungen. Sie wirkte so verletzlich, wenn man im Kontext von Türen überhaupt von Verletzlichkeit sprechen kann.

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Aber es sind nicht nur Stimmungen, oder Farbkombinationen, die ich von solchen Eindrücken ableiten kann. Oft helfen sie auch bei der Formfindung, geben die Idee für ein Muster vor oder zeichnen eine Linienführung nach, die sich später in dem einen oder anderen Schnitt wiederfindet.

Jedes Mal bin ich selbst erstaunt, wenn im Endeffekt aus den verschiedensten Schnipseln ein großes Ganzes entsteht.

-Lotta

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